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Oswald von Nell-Breuning Grundzüge der Börsenmoral Reprint der Ausgabe von 1928. Mit einer Einführung von Friedhelm Hengsbach und Bernhard Emunds Reihe: Studien zur christlichen Gesellschaftsethik Bd. 6, 2002, 256 S., 17.90 EUR, br., ISBN 3-8258-5485-x Die Geschichte wiederholt sich nicht. Auch nicht der Börsenkrach von 1929, dem die große Weltwirtschaftskrise folgte. Die dramatischen Turbulenzen auf den Finanzmärkten während der letzten 25 Jahre blieben auf periphere Länder beschränkt, in denen sie allerdings verheerend wirkten. Dass die Finanzmärkte weder eine Naturgewalt noch eine moralfreie Zone sind, hat Oswald von Nell-Breuning, der herausragende Vertreter der katholischen Soziallehre, 1928 nachgewiesen. Seine "Gründzüge der Börsenmoral" lösen die Antinomie zwischen dem wirtschaftlich Vernünftigen und dem moralisch Gebotenen als Scheinwiderspruch auf. Kapitalistische Marktwirtschaften und auch die Börse sind in eine gesellschaftliche Rahmenordnung eingebettet. Die Börsenspekulation ist nicht in sich verwerflich, sondern vertretbar, solange sie die volkswirtschaftlich nützliche Funktion erfüllt, Preisrisiken zu entschärfen. In der Regel ist sie der Marktbeherrschung durch Konzerne und staatliche Verwaltungen als das kleinere Übel vorzuziehen. Nell-Breunings nüchterne Strukturanalyse kapitalistischer Marktwirtschaften und insbesondere des Börsenhandels ist ein Zeitdokument, das die aktuelle Diskussion über die Steuerung der globalen Finanzmärkte bereichern kann. Oswald von Nell-Breuning SJ (1890 - 1991), ab 1928 Professor für Moraltheologie und Gesellschaftswissenschaft an der Phil.-Theol. Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt, war maßgeblicher Mitverfasser der Enzyklika "Quadragesimo anno" (1931). In der Nachkriegszeit war er als scharfsinniger politischer Intellektueller sowie als Berater der Gewerkschaften und der beiden großen Parteien bekannt. Im deutschen Sprachraum gilt er als "Nestor der Katholischen Soziallehre". |