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Matthias Krings
Geister des Feuers
Zur Imagination des Fremden im Bori-Kult der Hausa
Reihe: Mainzer Beiträge zur Afrika-Forschung
Bd. 4, 1998, 200 S., 19.90 EUR, 19.90 CHF, br., ISBN 3-8258-3399-2


Die Geister des Feuers, oder auch Europäergeister, bilden die kulturhistorisch jüngste Geisterkategorie im Pantheon des Bori-Kultes der Hausa. Sie erschienen zu Beginn der Kolonialzeit in den Besessenheitsritualen des Kultes, wo sie von ihren Adepten nach den Vorbildern der kolonialen Militärs und europäischen Verwaltungsbeamten verkörpert wurden.

Die vorliegende Arbeit basiert auf einer insgesamt vierzehnmonatigen Feldforschung in der nordnigerianischen Großstadt Kano. Im Zentrum der Arbeit steht die rezente Praxis des Kultes, vor allem aber das Bild der Geister, wie es von den Geistmedien und Musikern des Kultes in Erzählungen, Preisgesängen und nicht zuletzt auf dem Tanzplatz entworfen wird. In einem historischen Exkurs wird das Auftreten der Europäergeister in verschiedenen Regionen des Hausalandes, im Niger und in Nigeria, über sieben Jahrzehnte verfolgt. Dabei wird deutlich, daß sich die Mitglieder des Kultes heute bei der Repräsentation der Geister nicht mehr allein auf die eigentümliche Kultur der europäischen Kolonialisten beziehen, sondern ebenso auf die gleichermaßen anziehend und abschreckend wirkende Kultur des nigerianischen Militärs. Das rituell entworfene Bild der Geister gestattet dem Leser einen Blick über die Schultern der Akteure, einen Blick auf die Wahrnehmung und Bewertung des europäischen Fremden und des nigerianischen Soldaten durch die Mitglieder des Kultes.

Matthias Krings ist Mitarbeiter am Sonderforschungsbereich 268 "Kulturentwicklung und Sprachgeschichte im Naturraum Westafrikanische Savanne" an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main.





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