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Andreas Prokop
Aggression, Scham und metakognitive Fähigkeiten
Zur Mikroanalyse der Kultur der Kontrolle
Reihe: Hamburger Studien zur Kriminologie und Kriminalpolitik
Bd. 47, 2010, 112 S., 19.90 EUR, 19.90 CHF, br., ISBN 978-3-643-10637-7


Was bringen Programme zur Gewaltprävention? Inwieweit ist es realistisch, von standardisiertem pädagogischen Einwirken auf Kinder und Jugendliche ein besseres Zusammenleben, gerade in Schulen, zu erwarten und insbesondere auch Gewaltexzessen vorzubeugen?

Empirische Evaluationen erbringen hier ganz unterschiedliche Ergebnisse, offenbar nicht unabhängig vom jeweiligen Interesse. Es erscheint also sinnvoll, über den Schein der Zahlen und Kurven hinauszugehen und theoretische Perspektiven unterschiedlicher Disziplinen für ein besseres Verständnis von Gewaltphänomenen zu nutzen. Das kann auch helfen, bloße Mimikry von wirklicher Veränderung zu unterscheiden.

Entscheidend ist also ein holistisches Verständnis von Gewaltphänomenen, das sowohl individuelle Entwicklungsprobleme als auch gesellschaftliche bzw. soziale Rahmenbedingungen in ihrer Verschränktheit zu begreifen sucht. Als zentrales Moment wird hierbei traumatisches Schamerleben herausgestellt, das das Verhältnis von Selbst und Welt vorstrukturiert und Phänomenen wie personenbezogener Gewalt, aber auch Überanpassung zugrunde liegen kann. Bloße Verhaltenskontrolle bringt hier wenig, kann unter Umständen ein exzessives Ausleben sogar befördern. Wichtig sind Beziehungsstrukturen, die über angemessene Affektspiegelung ein System der Selbstregulierung ermöglichen, wie es für ein gelingendes Zusammenleben unerlässlich ist.





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